Das „Autonomous Enterprise“: Was das neue SAP-Zielbild für Ihre IT-Strategie bedeutet
Der Innovationsdruck im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) sorgt für hohes Tempo in der SAP-Welt: Auf der Kundenkonferenz Sapphire hat SAP bekannt gegeben, die erst vor einem Jahr präsentierte „Business Suite“ als North-Star-Architektur durch das „Autonomous Enterprise“ abzulösen.
Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) hat in einer aktuellen Analyse (vertreten durch Thomas Henzler, Fachvorstand Vertrieb, Produktion & Logistik) diese Entwicklungen sehr treffend eingeordnet. Wir haben uns die Details angesehen und möchten Ihnen unsere Einschätzung dazu geben, was die Neuerungen für Ihren SAP-Alltag konkret bedeuten.
Die neuen Architekturschichten im Detail
Aus technologischer Sicht baut SAP das Cloud ERP künftig auf drei zentralen Ebenen auf:
- Business AI Platform:
- Diese Basis verbindet künftig Prozesskontext, Geschäftsdaten und KI-Modelle. Sie führt die SAP Business Technology Platform (BTP), die SAP Business Data Cloud (BDC) und SAP Business AI zusammen. Der Begriff „BTP“ rückt dabei interessanterweise in den Hintergrund, die Technologien bleiben aber ein integraler Bestandteil. Durch die Einbindung von Signavio und LeanIX („Govern“) sowie der Entwicklungsumgebung Joule Studio („Build“) verfolgt SAP den Ansatz des „Intent-based Developments“. Prozesse werden etwa in Signavio identifiziert, über sogenanntes „Vibe Coding“ im Joule Studio angepasst und über den gesamten Lebenszyklus in LeanIX orchestriert. Zudem wurde eine Partnerschaft mit dem Workflow-Anbieter n8n angekündigt, dessen Lösung sich in Joule Studio integrieren lassen soll.
- SAP Knowledge Graph:
- Diese Schicht fungiert als Übersetzer zwischen der AI-Plattform und den eigentlichen Applikationen. Sie macht komplexe SAP-Daten für KI-Agenten strukturiert abrufbar. Wie die DSAG treffend anmerkt, hatte der Copilot Joule bisher mitunter Schwierigkeiten, Fragen aus komplexen SAP-Datenbanken sauber zu beantworten – hier soll der Knowledge Graph nun für eine bessere Datenübersetzung sorgen.
- SAP Autonomous Suite:
- Hier wird die Automatisierung greifbar. Über 50 domänenspezifische „Joule-Assistenten“ sollen eine Untergruppe von über 200 spezialisierten KI-Agenten koordinieren, um Prozesse selbstständig auszuführen.

Proaktive KI, neue Namen und der Weg dorthin
Die klassischen Geschäftsbereiche erhalten neue Namen, wie etwa „Autonomous Finance“ oder „Autonomous Supply Chain“. Für jeden Prozessschritt gibt es passende Assistenten (z. B. den „Planning Assistant“ oder „Procurement Assistant“), die wiederum Teiltätigkeiten an spezialisierte Agenten delegieren – etwa an den „Recipe Formulation Agent“ oder den „Product Change Management Agent“. Für industriespezifische KI-Agenten nutzt SAP künftig den Begriff „Industry AI“.
Die Interaktion für die Nutzerinnen und Nutzer läuft über „Joule Work“. Damit soll Joule künftig auch proaktiv Erkenntnisse aufzeigen und Routineaufgaben im Hintergrund automatisiert erledigen können. Um den Einstieg zu erleichtern, erhalten RISE-Kunden im ersten Jahr drei Joule-Assistenten zur Verfügung gestellt, während GROW-Kunden beim Onboarding direkt auf das gesamte Portfolio zugreifen dürfen.
Unsere Einschätzung: Entwarnung für Ihre laufenden Projekte
Die wichtigste Frage: Muss ich meine aktuelle S/4HANA-Migration nun stoppen?
Die DSAG gibt hier eine klare Entwarnung, und wir bei INFORMATICS teilen diese Einschätzung zu 100 Prozent: Der Strategiewechsel hat keine Auswirkungen auf Ihre aktuellen Systemlandschaften, sodass Vorhaben nicht überdacht werden müssen. Die bekannten Software-as-a-Service-Lösungen bleiben das Fundament. So werden Beschaffungsprozesse im „Autonomous Procurement“ weiterhin über Ariba gesteuert, und im Bereich „Autonomous Supply Chain“ bleibt das Business Network die Basis. An den Lösungen selbst ändert sich nichts, sie werden lediglich um KI-Agenten erweitert.
Einen wichtigen Punkt der DSAG möchten wir besonders unterstreichen: Bei all dem KI-Fokus dürfen grundlegende ERP-Funktionen – wie das durchgängige Dokumentenmanagement, eine zentrale Benutzerverwaltung oder gute Benutzeroberflächen – nicht in den Hintergrund geraten.
Als Ihr bodenständiger Partner helfen wir Ihnen gerne dabei, abzuwägen, welche KI-Agenten künftig wirklich einen echten Mehrwert für Ihr Unternehmen bringen.
well advised. in the world of SAP.
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